beteiligte Künstler:

Max Peintner (Österreich)

Das Projekt

Ein authentischer Wald soll das Fußballstadion in Klagenfurt in Besitz nehmen. Inspiriert von der Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ des österreichischen Künstlers Max Peintner (geb. 1937) bespielt Littmann Kulturprojekte (Basel) im September und Oktober 2019 die moderne, großzügige Sportstätte. „Als ich zum ersten Mal die 1970/71 entstandene Bleistiftzeichnung sah, war ich fasziniert. Ich wusste, dass diese Arbeit eines Tages der Ausgangspunkt für ein großes Kunstprojekt im öffentlichen Raum sein würde,“ erklärt Klaus Littmann, Beuys-Schüler und Initiator zahlreicher internationaler Kunstprojekte in Europa und Asien.

Die Bleistiftzeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ von Max Peintner, die Generationen von Schülern in ihren Büchern begleitet hat, befindet sich in einer Privatsammlung und ist derzeit als Leihgabe in einem amerikanischen Museum aufbewahrt. Das Blatt wird durch Klaus Littmann in die Realität umgesetzt. So wird das Fußballfeld – so der Wunsch des Künstlers Max Peintner – gänzlich mit einem Naturwald überdeckt. Von den Rängen aus können die Zuschauer das Baumspektakel Tag und Nacht – bei Natur- oder Flutlicht im Stadion – bestaunen. Das so erzeugte Bild wird eine starke surreale Ausdruckskraft haben, die kaum zu steigern ist.

Als Max Peintner „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zeichnete, ging es ihm keinesfalls nur um ästhetische Aspekte. Der Künstler ahnte bereits, wie verzweifelt Jahrzehnte später um die Rettung der Natur gekämpft würde. Ökologische Gesichtspunkt und Begriffe wie Klimawandel waren seinerzeit keinesfalls einer breiten Öffentlichkeit bewusst, als Peintner sich in Studien mit der zunehmenden Vertechnisierung der Natur – und auch des Menschen – beschäftigte. Max Peintner hatte Bauingenieurwesen und später Architektur studiert. Seine erworbenen Kenntnisse formulierte er aber nicht in Gebäuden, sondern in Zeichnungen, die dem Betrachter auch heute noch die „prima idea“ des Künstlers näherbringen.

Der Kunstinitiator Klaus Littmann hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder über Max Peintners Zeichnung und die Möglichkeiten der Umsetzung im öffentlichen Raum reflektiert „Wenn man als Zuschauer anstatt eines Fußballspiels ein rechteckiges Stück Wald in der emotional aufgeladenen Arena eines Stadions sieht, stößt dies Denkprozesse an,“ erklärt Klaus Littmann, der diese Reaktion bei einer breiten Öffentlichkeit erreichen will. Das internationale Kunstprojekt „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ provoziert und reißt die Themenkreise Ökologie, Ethik, Umwelt- und Klimaschutz oder Tourismus an. Die Bleistiftzeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ ist längst zu einem festen Motiv geworden, das bis heute in 20 deutschen Schulbüchern mit Lizenzen in Frankreich, Dänemark, Estland, Tschechien und Ungarn erschienen ist.

Bäume haben in der europäischen Kunstgeschichte einen festen Platz, denn sie sind Symbole. Ein Baum repräsentiert das Leben in all seinen Phasen und die Natur generell. Seine Gestalt spiegelt aber auch die Seelen- und Gemütszustände des Erschaffers wieder. Der Baum ist ein Motiv auf das besonders Kunstschaffende sich seit Urzeiten beziehen. In der . In der Romantik beispielsweise bei Caspar David Friedrich symbolisiert der Wald die Naturgewalt. Claude Monet und Vincent van Gogh bedienten sich der figurativen Potenz und Piet Mondrian fand mittels des Baummotivs zur Abstraktion. In der jüngsten Vergangenheit verknüpft die breite Öffentlichkeit den Baum künstlerisch bevorzugt mit den hauchzarten Umhüllungen von Christo und Jeanne-Claude oder mit der großen Baumaktion „7000 Eichen“ (Kassel 1982-87) von Joseph Beuys. Beide Projekte haben einen tiefen Impact hinsichtlich eins bewussteren Umgangs mit der Umwelt hinterlassen. Giuseppe Penone, ein Vertreter der Arte Povera, ist ein weiterer Künstler, der sich intensiv mit dem Baum als Naturrepräsentant auseinandersetzte und seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eindrucksvolle Baumskulpturen aus Holz oder Bronze schuf.

Hans Hollein, international bekannter Architekt, erklärt 1986 zur Zeichnung von Max Peintner: „Für Max Peintner war der Strich nicht direktes Medium einer Mitteilung – sondern eher ein Darstellungswerkzeug. Wichtig war der Inhalt des Mitgeteilten, der sich mit Paradoxem auseinandersetzte oder einen frühen kritischen Ansatz zur Umwelt demonstrierte. War er seinerseits der technischen Präokkupation der Zeit, manchmal ironisierend, verfallen, so sah er auch die Entwicklungen in beklemmenden Visionen – einer früher Grüner, der allerdings sein Anliegen nicht nur als Mahnung sah, sondern auch in Kunst formulierte.“

Der Künstler Max Peintner

Seine Zeichnungen sind Ikonen der Umweltbewegung

Max Peintners zivilisationskritische Zeichnungen wie „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, die 1970/71 entstand oder „Das total regulierte Tal“ aus der Jahr 1972 sind nicht nur in Kunstkreisen bekannt, sondern im Gedächtnis einer breiten Öffentlichkeit. Sie wurden in Schulbüchern und anderen Massenmedien publiziert und entwickelten sich zu Ikonen der europäischen Umweltbewegung. Eine Augenkrankheit veranlasste den Künstler Mitte der 70er Jahre zur Auseinandersetzung mit dem Prozess des Sehens: Peintner zeichnete was jeder kennt und normalerweise nicht der Rede wert ist. „Für ihn ist die gezeichnete Selbstwahrnehmung angemessenes Ausdrucksmittel zur Darstellung der wahrgenommenen Umwelt, wie sie im Kopf entsteht. Seine Kunst gilt dem Versuch, analytisch die Gefühle und Sensationen des Ichs in Form einer Abbildfunktion dieses Ichs zu zeigen“, schrieb seinerzeit Peter Weibel, Künstler, Kurator, Kunst- und Medientheoretiker, der seit 1999 das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe leitet.

Max Peintner wurde 1937 in Hall in Tirol geboren; er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Wien und bis 1963 Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien. 1964 gab er mit Heinz Geretsegger die Monografie Otto Wagner 1841-1918 Unbegrenzte Großstadt, Beginn der modernen Architektur heraus. 1969 veröffentlichte er erste Zeichnungen unter dem Titel Sechs Beiträge zur Zukunft: Technik- und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie. Max Peintner zeigte seine ersten Wahrnehmungsbilder 1977 auf der Documenta 6 in Kassel. 1986 vertrat er Österreich auf der Biennale Venedig. 2000 widmete die Neue Galerie Graz dem Künstler eine umfassende Retrospektive.

Über acht Jahre beschäftigte sich Max Peintner mit Blickwinkel, Sujets und Brüchen in den Werken von Caspar David Friedrich und gestaltete im Jahr 2009 in den Räumlichkeiten der Wiener Galerie Kargl eine Präsentation, die vom Entwurf bis zur ausgearbeiteten Farbkreidezeichnung die Beschäftigung mit dem bedeutenden Künstlers der Romantik skizziert. Die Auseinandersetzung mit Caspar David Friedrich entwickelte sich für Max Peintner aus seinen Wahrnehmungsselbstversuchen.

„Landschaftsbilder sind als traumhafte Visionen zu deuten und lassen auf das Wesen des Träumenden schließen,“ sagte einmal Max Peitner und erklärt so seine Faszination für Caspar David Friedrich. Der österreichische Künstler übernimmt Friedrichs Naturdarstellungen, die oft von einem metaphysisch-transzendenten Charakter beseelt sind.

Max Peintners Arbeiten wurden 1997 im Künstlerhaus Klagenfurt unter dem Titel Zum Greifen nah gezeigt.

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