Jedes Mal, wenn ich in eine Galerie oder ein Museum gehe, versuche ich, etwas zu lernen.
Eines der Dinge, über die ich nachdenke, wenn ich ein Werk schaffe, ist: Was werden die Menschen daraus mitnehmen?
Wie viel wir verstehen, hängt von unserem Vokabular ab, und jeder besitzt ein eigenes, einzigartiges Vokabular – nicht nur sprachlich, sondern auch visuell. Neunzig Prozent der Informationen, die an das Gehirn übermittelt werden, sind visueller Natur. Das Gehirn verarbeitet visuelle Informationen 60 000-mal schneller als Text.
Zu versuchen vorauszuahnen, was Menschen sehen (Schauen ist nicht gleich Sehen), ist letztlich zwecklos. Äussere Einflüsse haben viel mit Verstehen zu tun. Respektiere das Vokabular jedes Einzelnen.
Ich denke über meine Arbeit nicht in traditionellen bildhauerischen Begriffen nach; ich verstehe sie eher im Sinne von Architektur (architektonisch). Eine Art nutzlose (konzeptuelle) Architektur, weil sie mehr mit Architektur als mit Skulptur zu tun hat, ohne tatsächlich ein architektonisches Projekt zu sein.
Hermeneutik als Rahmen (eine Art Gerüst) des Verstehens: Der hermeneutische Zirkel beschreibt den kreisförmigen Prozess der Interpretation, bei dem sich das Verständnis eines gesamten Textes aus seinen einzelnen Teilen entwickelt und umgekehrt das Verständnis der einzelnen Teile vom Verständnis des Ganzen beeinflusst wird. Es ist ein Konzept, das den nichtlinearen, sich wiederholenden Prozess des Verstehens beschreibt, bei dem das Verständnis eines Textes, eines Phänomens oder einer Situation als Ganzes vom Verständnis seiner einzelnen Teile abhängt – und umgekehrt. Ein Teil beeinflusst den anderen. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen – denn während sich Dinge ausserhalb unseres Einflusses verändern, verändert sich auch unser Verständnis.
Michael Vesse
