KLAGENFURT (vep). Just zwei Tage, bevor politische Vertreter der Stadt Klagenfurt erste Zahlen zur internationalen Medienresonanz des Kunstprojektes “For Forest” bekanntgaben, führte die WOCHE ein Interview mit Projektinitiator Klaus Littmann zum selben Thema. Der Schweizer Kunstvermittler hat sich für die Bewerbung eine professionelle internationale Agentur ins Boot geholt; Reiber PR. “Den Tipp erhielt ich von zwei Journalisten. Sie sagten unabhängig voneinander zu mir: Wer so etwas Großes macht, braucht Vollprofis zur Unterstützung”, erzählt Littmann. Reiber PR ist auf das Thema Kultur spezialisiert, das ermögliche effizientere Netzwerke und kürzere Wege in die weltweiten Kulturredaktionen der Medien.

Weltweite Bewerbung auch für Littmann eine Premiere

Mit einer solchen Konsequenz und Tragweite wie bei For Forest hat Littmann noch nie eines seiner Kunstprojekte beworben. “Es war für mich von Anfang an klar, dass hier eine weltweite Bewerbung stattfinden muss. Erstens ist es ein unglaublich großes Projekt, das auch enorm viel Aufwand und Engagement vieler, vieler Menschen beinhaltet, zweitens gibt es kein Vergleichbares und drittens machen die Thematiken der Installation es notwendig. Denn ein Kunstprojekt, das auch als Mahnmal gegen den Klimawandel betrachtet werden kann, soll nicht ungeachtet bleiben.”

350 Medienbeiträge zu For Forest sind schon erschienen

Über Geld bzw. Kosten für den Aufwand der Profi-Agentur spricht Littmann – wie immer bei diesem Projekt – naturgemäß nicht. Dafür umso lieber darüber, was die Agentur sowie das For-Forest-Team international bei den Medien in Print, TV, Radio und Online bereits erreichen konnte. Erst seit April ist die Agentur tätig. Mit Stand vergangener Woche sind zu For Forest bereits auf der ganzen Welt 350 Beiträge erschienen. In Europa vorwiegend in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz, aber auch in England. Außerhalb Europas sind viele Beiträge in den USA, China, Hongkong, Taiwan, Japan und ein paar in Malaysia erschienen. Der WOCHE wurde die Auflistung mit allen Beiträgen vorgelegt, einige sind auch auf der Website forforest.net gepostet. Artikel zu dem Kunstprojekt erscheinen sowohl in großen Tageszeitungen, als auch in Kultur-, Architektur- und Lifestylemagazinen. Aber auch Sportredaktionen und -Magazine beginnen laut Littmann zunehmend Interesse zu zeigen.

Asiaten zeigten als erstes Interesse

Am Erstaunlichsten rund um die Medienresonanz ist für Littmann vor allem das große Interesse im asiatischen Raum. “Sie waren mit die ersten, die darauf reagiert und Beiträge veröffentlicht haben. Damit habe ich nicht gerechnet, zumal gerade der asiatische Raum große klimatische Probleme hat.”
So ließ Littmann zum Beispiel einen Bericht aus der taiwanesischen GQ übersetzen. “Dadurch haben wir erfahren, dass in Taiwan großes Interesse an Kunst im öffentlichen Raum besteht. In dem Artikel wurde sogar appelliert, sich das anzusehen, da es so etwas nie wieder geben wird.”

Negative Diskussionen werden von außen wahrgenommen

Während die Resonanz außerhalb Österreichs durchwegs positiv ist, wird bekanntlich in Klagenfurt hitzig über das polarisierende Projekt diskutiert, auch auf politischer Ebene. Das werde laut Littmann vor allem in Deutschland und in der Schweiz nun wahrgenommen. “Durch das Ibizia-Video ist Österreich politisch nun stark im Fokus, das politische Interesse ist plötzlich viel höher. Was nun erschwerend hinzukommt ist, dass das Projekt genau in den Wahlkampf hineinfällt und gewisse Leute meinen, sie müssten das Projekt dafür instrumentalisieren wollen.”

“Lasse nicht zu, dass Projekt politisch instrumentalisiert wird”

Littmann betont, dass er eine solche Instrumentalisierung nicht zulassen werde. “Insgesamt glaube ich, dass negative Diskussionen das Image aber nicht beeinträchtigen werden.” Er bedauert in dieser ganzen Causa vor allem eines: “Dass der eigentliche Inhalt und die Informationen nur erschwert zu den Menschen kommen. Doch wenn sie angekommen sind, dann verstehen die Menschen es plötzlich. Viele Gegner wurden so schon zu Befürworten.”

Dass es Klagenfurt wurde, ist reiner Zufall

Einmal mehr betont Littmann auch, dass es reiner Zufall ist, dass dieses Projekt in Klagenfurt stattfindet. Das Thema sowie das Projekt sei ein globales und könne genauso gut in jedem anderen Land stattfinden. “Es war eben in Klagenfurt möglich, und ich bin darüber auch sehr glücklich, da die Differenz zwischen der Natur und dem hochmodernen Stadion aus Stahl, Beton und Technik nicht besser sein könnte.”
Endlich würde auch langsam Verständnis für die Chance einkehren, die Klagenfurt mit dieser Installation erhält. Littman: “Spät, aber doch, wird nun verstanden, dass man nicht für das Projekt, sondern für die Stadt selbst werben muss, in der eben ein solch’ einzigartiges Projekt realisiert wird.”

Ziel: “Es muss im Kopf hängen bleiben”

Auch deshalb misst sich für Littmann der Erfolg von “For Forest” nicht in Zahlen. “Das Bild muss und wird um die Welt gehen. Es muss in den Köpfen der Menschen hängen bleiben. Das Thema Klimaschutz muss hängen bleiben.” Die Menschen sollen sich daraufhin mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen. Denn Probleme seien nicht mehr zu leugnen, es sei höchste Eisenbahn. Littmann: “Ich war mit vielen meiner Projekte oft zehn Jahre zu früh dran. Die Idee zu For Forest beschäftigt mich seit 30 Jahren. Und es gibt nun tatsächlich keinen besseren Zeitpunkt dafür als jetzt!”

meinbezirk.at, Verena Polzer

mehr zu FOR FOREST - Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur, 2017 bis 2019

Bilder