Gustava Iselin-Haeger «zeichnend zuhören»

Im Salon des Dessins in der Central Station werden ausschliesslich künstlerische Arbeiten auf Papier gezeigt. Dieses Medium besitzt im Werk der in Berlin geborenen Basler Künstlerin Gustava Iselin-Haeger (1878-1962) eine grosse Qualität. Mit sicherem Strich hielt sie alltägliche Basler Begegnungen fest und verstand es, ihrer neuen Heimat zeichnend zuzuhören; im Konzertsaal, bei Theaterproben oder «Uff em Petersplatz». Ihre skizzenhaften Beobachtungen auf dem populären Petersplatz sind erstmals umfänglich in Basel ausgestellt.

kuratiert von Dominik Müller

Die Ausstellung dauert bis am 20. Januar 2018.
VERLÄNGERT BIS 3.2.18

DO/FR 17-21 Uhr
SA 11-17 Uhr
oder auf Vereinbarung

Basler Zeitung | 30. November 2017 | Kultur
von Christoph Heim

Der Park als Bühne
Gustava Iselin-Haeger: Ausstellung im Central Station

Basel. Mit wunderbar leichtem Strich erzählt Gustava Iselin-Haeger vom Leben auf dem Petersplatz, wie sie es Anfang des 20. Jahrhunderts beobachtet hat. Die in Berlin 1878 geborene Malerin, die bei Max Liebermann studiert hat, kam 1907 nach Basel, wo sie den Chirurgen Hans Iselin heiratete. In den ersten Monaten in ihrer neuen Heimat nahm sie sich immer wieder Zeit, Menschen zu zeichnen, die sich in ein Buch vertieften, vor sich hindämmerten oder in ein reges Gespräch verwickelt waren. Der Petersplatz, der heute (wenn nicht gerade Herbstmesse ist) hauptsächlich von Studenten frequentiert wird, war damals ein städtischer Park, der von Jung und Alt in der Freizeit rege genutzt wurde.

Für die Malerin, die ihr Auge in Berlin geschult hatte, ergaben sich immer wieder Szenen mit geradezu grossstädtischem Flair. Oft erfasste sie ihre Sujets von hinten, fing die Dynamik oder auch die Nachdenklichkeit eines Gesprächs aus der Körperhaltung der Beteiligten ein. Es ging ihr nicht um die Gesichter oder um die Identifikation eines Menschen, vielmehr erscheinen die Menschen in ihren rasch hingeworfenen Zeichnungen als anonyme Stadtbewohner.

Mal präzis, mal angetönt

Immer wieder zeichnete sie auch einsame Männer, die ganz allein auf einer Bank sitzen und sich bei einem Mittagsschläfchen ausruhen. Ein durchgängiges Motiv dieser Skizzen sind die Bänke, die Sitzgelegenheiten in diesem Park, die den Besuchern erst die Möglichkeit geben, sich auszuruhen oder ein längeres Gespräch zu führen.
Diese Bänke sind zuweilen so präzise erfasst, dass sie beinahe als technische Zeichnungen durchgehen könnten. Dann wieder sind sie mit ganz leichtem Strich nur angetönt. Manchmal schweben sie gar in der Luft und geben gleichwohl der Figur, die darauf sitzt, den Halt, den sie braucht.

Zeichnend zuhören

Nur ganz selten findet man in dieser Ausstellung, die ganz der zeichnenden Malerin gewidmet ist und von Dominik Müller eingerichtet wurde, eine durchgearbeitete Zeichnung mit schraffierten Baumstämmen und Hausmauern, auf der dann der Petersplatz beinahe schon wie ein Wald aussieht. Die Zeichnungen in der Ausstellung stammen aus dem Nachlass von Gustava Iselin-Haeger, der von ihrem Enkel Hansueli Iselin verwaltet wird.

Die Ausstellung in der Central Station hat den Titel «Zeichnend zuhören» und dauert bis zum 20. Januar. Hingewiesen sei auch auf die Fotoausstellung mit Werken von Miroslav Tichy, die heute Abend um 18 Uhr in der Central Station Vernissage feiert.

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